Darstellungen der heiligen Elisabeth

Die Heilige Elisabeth von Thüringen ist die Patronin der Katholischen Kirche in der Kolonnenstraße auf der „Schöneberger Insel“, deren Weihe am 19.11.1911 statt fand.

Wer war diese Heilige? Welche Darstellungen gibt es von ihr in der St.-Elisabeth-Kirche?

 

tauferkerDER TAUFERKER DER VORHALLE

Hinter dem Doppelportal, in der axialen Mitte der Vorhalle, befindet sich der heute ruinöse Tauferker, der aus Sandstein besteht. Er wurde 1911 vom Holz- und Steinbildhauer Anton Mormann aus Wiedenbrück/Westfalen geschaffen.

Im Kriegsjahr 1944 ist der gesamte obere Teil, das Ziborium, durch Bombeneinwirkung zerstört worden. Der untere Erkerteil ist original erhalten. Die drei Blendfenster der Vorderseite sind figural besetzt mit Reliefs von Heiligen als Sitzfiguren. Links: der Heilige Josef, Mitte: Maria mit Kind, Rechts: die Heilige Elisabeth.

Die Heilige Elisabeth trägt eine Krone und hat auf dem Schoß einen mit Brot gefüllten Korb, den sie mit der linken Hand hält. Mit der rechten Hand reicht sie ein Brot einem seitlich vor ihr knienden Krüppel.

Das Brot-Attribut steht für ein Werk der Barmherzigkeit: Hungrige zu speisen (Mt 25,35).

Die Krone ist hier als Zeichen der Heiligkeit zu sehen, nicht als Standessymbol ihrer Abstammung.

 

kleines elisabeth-Fenster

DAS KLEINE ELISABETHFENSTER

Das moderne Fenster im kleinen Vorraum der Kirche („Werktagseingang“) ist ein Entwurf vom Berliner Künstler Paul Corazolla, die Ausführung von der Fa. Werner Held, Berlin-Kreuzberg (1959).

Zu sehen ist eine gekrönte Elisabeth mit Heiligenschein, wie sie einem Nackten ein Gewand reicht. Es ist auch eine Illustration eines der barmherzigen Werke, nämlich Bedürftige zu kleiden (Mt 25,36).

Seit der Fusion von St. Elisabeth mit St. Matthias im Jahr 2004 ist diese Darstellung auch auf dem Deckblatt der Pfarrnachrichten von St. Matthias.

 

opferstockDER OPFERSTOCK

Im Kirchenraum sind sieben Opferkästen (Almosenbehälter) an der Wand der Rückseite des Kirchenraumes aufgestellt.

Der „Elisabeth-Opferstock“, der der Mission gewidmet ist, zeigt die Kleiderspende Elisabeths an Bedürftige, eine weitere Darstellung eines der Werke der Barmherzigkeit. Der Moment ist dargestellt, in dem sich der neben der Heilige Elisabeth kniende Bettler mit erhobenen der Heilige Elisabeth kniende Bettler mit erhobenen Händen reckt und gerade in das von ihr gehaltene Gewand schlüpft.

 

 

 

DER ELISABETH-VOTIV-ALTAR

votivaltar

Der Flügelaltar des Künstlers Rudolf Heltzel wurde am 19.11.1956 geweiht.

Im Mittelteil des senkrechten Altaraufsatzes steht in einem gotischen Holzrahmen die Relief-Figur der Heilige Elisabeth, die als Schutzpatronin ihren Mantel über die nach ihr benannte Kirche hält. In der rechten Hand hält sie einen Brotlaib.

Auf den beiden klappbaren Flügeln sind, in Intarsienarbeit, 6 Szenen aus dem Leben der Heilige Elisabeth dargestellt. Dieser Zyklus gibt ihr Leben und Wirken wieder (die 4. und 5. Szene ist zu vertauschen).

Elisabeth wurde nach der Überlieferung am 07.07.1207 in Sáros-Patak (oder in Preßburg) in Nordungarn (oder in der Slowakei) als Tochter des ungarischen Königs Andreas II. geboren. Ihre Mutter Gertrud, eine Schwester der Heilige Hedwig, stammte aus dem Geschlecht der Andechs-Meranier aus Bayern. Als Vierjährige wird Elisabeth an den Hof des Thüringer Landgrafen Hermann I. gebracht und dort mit dessen ältesten Sohn Hermann verlobt ( a).

Hermann stirbt (Silvester 1216) und sein Bruder Ludwig wird nach dem Tod des Vaters sein Nachfolger. Im Alter von 14 Jahren heiratet Elisabeth den 21jährigen Ludwig IV. (1221). Verbürgt ist, dass aus der „Bündnisehe“ ein Liebesbund wurde. Sie hatten drei Kinder.

Zwischen den Jahren 1223 und 1225 treten die Franziskaner in das Umfeld Elisabeths. Ihre Ideale vollkommener Armut und Demut beeindrucken Elisabeth sehr. Sie will, dass es gerecht zugeht, und es entwickelt sich eine Frömmigkeit, die zu einer sozialen Haltung wird. Ihr Mann unterstützt sie, aber die Hofgesellschaft betrachtet sie mehr als skeptisch.

Das „Rosenwunder“ (b) ist die bekannteste Elisabeth-Legende: Ludwig trat seiner Frau, die mit einem mit Brot gefüllten Korb unter ihrem Mantel die Wartburg hinabstieg, mit der Frage entgegen: „Was trägst du da?“, deckte den Mantel auf, sah aber nichts als Rosen.

Diese Episode wurde spät erst von der Heilige Elisabeth von Portugal (1270-1336, Fest am 04.07.), einer Großnichte der Elisabeth von Thüringen, auf „unsere“ Elisabeth übertragen. Sie wird weder dem liebevollen Einvernehmen der Eheleute gerecht noch der Würde der Persönlichkeiten. Die Namensgleichheit beider Frauen hat wohl dazu beigetragen, dass das „Rosenwunder“ in die Vita der Elisabeth von Thüringen kam.

Als Ludwig 1225/1226 auf einer Reise ist und eine schwere Hungersnot das Land erfasst, lässt Elisabeth Getreide an die Armen verteilen. Die Verwandten murren, aber Ludwig stellt sich nach seiner Rückkehr hinter Elisabeth: „Wenn sie mir nur die Wartburg nicht verschenkt, bin ich´s wohl zufrieden.“

Elisabeth, gerade 20 Jahre alt, muss von Ludwig Abschied nehmen(c), der als Kreuzritter zum 5. Kreuzzug nach Palästina aufbricht. Ludwig erkrankt und stirbt am 11.09.1227 in Otranto, Süditalien, an einer Seuche.

Es kommt zum Konflikt zwischen Elisabeth und ihrem Schwager Heinrich Raspe, der Elisabeth „aller Welt Törin“ nennt. Er verlangt von ihr, dass sie sich der „allgemeinen Sitte“ füge und entzieht ihr die Nutzung ihres Witwengutes.

Elisabeth bricht völlig mit ihrem früheren Leben. Sie verlässt mittellos mit ihren Kindern die Wartburg (e) und verbringt den Winter 1227/28 unter schweren Umständen in Eisenach.

Sie erhält schließlich ihr Witwengut und geht, nachdem sie ihre drei Kinder gut untergebracht hat, im Sommer 1228 nach Marburg an der Lahn (Hessen), wo sie ein kleines „Franziskus-Hospital“ zur Armen- und Krankenpflege aufbaut. Sie lebt als dienende Magd in äußerster Demut und Askese. Sie ist weder Hospital-Vorsteherin noch leitet sie die kleine Frauengemeinschaft. Im grauen Gewand des dritten Franziskusordens (Terziarier) verrichtet sie die niedersten Arbeiten, wie es in allen Berichten heißt, stets mit einem Lächeln auf den Lippen. Augenzeugen rühmen ihre Fröhlichkeit und ihr Gottvertrauen.

Elisabeth stürzt sich in die Arbeit, in die Selbstaufopferung. Sie schenkt und würde am liebsten alles verschenken, was sie hat. Konrad von Marburg, ihr asketischer Beichtvater, den sie noch zu Lebzeiten Ludwigs und mit seinem Einverständnis erwählte, hält sie davon ab, um für den Unterhalt des Hospitals Mittel zu sichern. Dabei schreckt Konrad auch vor derben Körperstrafen für Elisabeth nicht zurück, die er selbst ausführt oder ausführen lässt (d). Elisabeth nimmt die Strafen mit fröhlicher Gelassenheit hin. Ihr nahe Stehende beschreiben, wie sie gleichzeitig lachen und weinen kann.

Elisabeth sucht nicht nach effektiv organisierter Nächstenliebe, sie will sich verschwenden für die Armen, jetzt und sofort. Aufopferungsvoll kümmert sie sich um Leprakranke, hungrige, verwahrloste Kinder und Bettler (f).

In dieser Zeit erwacht in Elisabeth immer stärker das mystische Leben: Visionen, Entrückungen und Verzückungen werden ihr zuteil.

Elisabeth verausgabt sich und stirbt am Morgen des 17.11.1231 nach kurzer Krankheit. Zwei Tage danach wird sie in ihrer Marburger Hospitalkapelle beigesetzt.

Am 27.05.1235 erfolgt durch Papst Gregor IX. die Heiligsprechung. Ihr Fest wird am 19.11. gefeiert.

 

DER HOCHALTAR

hochaltar

Der Hochaltar aus dem Jahr 1911 stammt vom Kunsttischler Anton Becker-Brockhinke aus Wiedenbrück/Westfalen.

An den Außenseiten sind, unter kleinen Baldachinen stehend, zwei Heiligenfiguren. Figur rechts: Der Heilige Matthias, der Patron der Muttergemeinde von St. Elisabeth. Figur links: Die Heilige Elisabeth, die Patronin der St.-Elisabeth-Kirche.

Die aus Holz geschnitzten Figuren sind, wie fast alle figürliche Darstellungen im Kirchenraum, ein Werk des Bildhauers Anton Mormann. Die außergewöhnlich hohe neogotische Qualität, zurückführbar auf rheinische Schnitztraditionen, tritt im Detail der Faltenwürfe und im Schnitzduktus hervor. Die Entwürfe stammen von Pfarrer Theodor Grabe (1907-1935). Der Kunstmaler Johannes Grewe aus Wiedenbrück schuf die Vergoldung und die Polychromie (bunte Bemalung ohne einheitlichen Gesamtton). Durch die Polychromie wirken alle Figuren sehr lebendig.

Die Heilige Elisabeth ist dargestellt als jugendliche Fürstin mit Krone. Unter ihrem goldenen Mantel trägt sie die einfache graue Franziskanertracht mit einem Zingulum (Gürtelstrick mit Knoten). Die Heilige Elisabeth hebt ihre rechte Hand zum Segen und in ihrer Schürze, die sie mit der linken Hand hält, liegen Rosen, die auf das populäre „Rosenwunder“ anspielen.

 

DIE ELISABETH-GLOCKE

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Die 5 Glocken des Kirchengeläuts stammen aus der Glockengießerei Rudolf Perner, Passau-Hackelberg.

Gussbeginn war am 19.08.1959 und die Glockenweihe geschah am 20.11.1960 durch den Weihbischof Dr. Alfred Bengsch, später Bischof von Berlin (1961-1979), Erzbischof (1962) und Kardinal (1967), einem „Kind“ von St. Elisabeth. Am 25.11.1960 ertönte zum ersten Mal ihr feierliches Geläute.

Die mittlere Glocke ist die Elisabeth-Glocke, die 800 kg wiegt. Auf ihrer Außenseite ist die Heilige Elisabeth abgebildet. Sie hat Brote in ihrer Schürze und links und rechts von ihr hockt jeweils ein Bettler.

Am oberen Glockenrand ein umlaufender lateinischer Schriftzug:

S. Elisabeth, Gloria Teutoniae

(Elisabeth, du Ruhm Deutschlands).

Diesen Ehrentitel hat man ihr auf ihr Grabmal in Marburg gesetzt.

 

DAS GROSSE ELISABETHFENSTER

elisabeth-fenster

Sämtliche Kirchenfenster wurden im letzten Krieg zerstört; die Kirche mit ihrer wertvollen Innenausstattung nicht.

Aufgrund eines Gelübdes wird jedes Jahr am 15. August bzw. am darauffolgenden Sonntag mit Betstunde und dem Empfang der Heilige Sakramente für den Erhalt der Kirche gedankt.

Das Elisabethfenster, in der rechten Kirchenwand das erste Hauptfenster links, ist ein Werk von Prof. Ludwig Kowalski, Berlin-Zehlendorf. Ausgeführt wurden seine Entwürfe durch die Werkstätten August Wagner, Berlin-Neukölln (1960).

Dargestellt ist die Heilige Elisabeth mit dem Heilige Franziskus von Assisi (1182-1226) und dem Heilige Thomas von Aquin (1225-1274). Alle drei Heiligen waren Zeitgenossen. Es gibt aber noch mehr Verbindendes, was laut Pfarrer Boto H. Mey (1982-1997) ihre gemeinsame Darstellung rechtfertigt: Die Verkörperung der drei Wesenseigenschaften der Nachfolge Jesu, nämlich Martyria, Diakonia und Liturgia, die untrennbar zusammengehören.

Martyria: der Heilige Franziskus

(mit Stabkreuz und Hand-Stigmata)

Diakonia: die Heilige Elisabeth

(mit Broten in ihrer Schürze)

Liturgia: der Heilige Thomas

(mit Kelch u. eucharistischem Brot)

Mit dem Heilige Franziskus ist die Heilige Elisabeth durch die gelebte Armut verbunden, mit dem Heilige Thomas durch das Brot: Der Brotausteilung in der Diakonie entspricht in der Liturgie die Kommunionausteilung.

Die heilige Elisabeth ist dargestellt als Fürstin mit Krone in prächtiger Kleidung. In ihrer Schürze sind Rosen und Brote zu sehen. Unter ihr das Wappen von Thüringen (sieben Sterne auf rotem Grund).