St. Elisabeth - Geschichte

Die Vorgeschichte

Die St. Elisabeth-Kirche war, als sie konsekriert wurde, noch nicht Pfarrkirche. Erst am 1. August 1920 wurde die Kuratie St. Elisabeth zur Pfarrei erhoben. Die Muttergemeinde war die St. Matthias Pfarrei. Der Erbauer der St. Matthias-Kirche am Winterfeldplatz, Pfarrer Theodor Kappenberg, hatte schon sehr früh den Plan, auf der sogenannten "Insel" von Schöneberg, dem Bezirk, der zwischen dem Potsdamer- und dem Anhalter-Bahndamm liegt, eine katholische Kirche zu bauen. Durch seine Krankheit wurde er an der Ausführung dieses Vorhabens gehindert.

Sein Nachfolger, Pfarrer Augustin Dierken, griff diesen Plan wieder auf. Im Jahr 1904 wandte er sich in einem offenen Brief an die Katholiken der Reichshauptstadt und bat sie um Unterstützung für den Bau einer dringend notwendigen Kirche auf diesem Teil des Pfarrgebietes.

elisabethaussen.jpgAm 22. August 1906 gelang es Pfarrer Dierken, ein Grundstück gegenüber dem Friedhof der Zwölf-Apostel-Gemeinde in der Kolonnenstraße 38 / 39 zu erwerben. Weil noch keine ausreichenden Mittel für den Kirchenbau zusammengetragen waren, wurde zunächst ein altes Wohnhaus auf dem Grundstück zu einem Betsaal umgebaut. Dieses provisorische Kapelle erhielt am 19. Dezember 1907 ihre kirchliche Weihe von Pfarrer Dierken. Als erster Seelsorger der jungen Gemeinde wurde Kaplan Theodor Grabe von St. Matthias berufen.

Die Kapelle, für 150 eingerichtet, konnte die große Zahl der Gottesdienstbesucher kaum fassen. Dazu aus der Pfarrchronik:

"An den kommenden Sonn- und Feiertagen wurden die Knaben ganz nahe an den Altar herangedrängt, so dass den Hauptgottesdienst, der um 10:30 gehalten wurde, etwa 320 Personen besuchen konnten. Auch bei der Frühmesse um 7 Uhr war die Kapelle ganz gefüllt.
Auf einem ganz niedrigen Raum über der Toreinfahrt waren die Schulmädchen und die Schwestern untergebracht; dort stand auch das Harmonium. Nur die kleinen Kinder konnten eben noch gerade stehen, die anderen mussten sich bücken, knien oder setzen. In der Kapelle und in den Gängen standen die Besucher so dicht aneinander gedrängt, dass Ohnmachtsanfälle infolge der schlechten Luft keine Seltenheit waren."

In St. Elisabeth konnte eine Niederlassung der Dominikanerinnen aus dem Mutterhaus Arenberg errichtet werden. Ihre Hauptaufgabe war die Ausübung der ambulanten Krankenpflege. Auf dem Hintergelände des Grundstücks wurde ein fünfstöckiges Schwesternhaus errichtet, das ein Heim für junge Mädchen und für gefährdete Großstadtkinder werden sollte. Am 7. 11. 1909 wurde das Elisabethhaus eingeweiht und zugleich die Kapelle in das Erdgeschoss des Hauses verlegt.

 

Der Bau der St. Elisabeth-Kirche

Der Plan für den Kirchbau wurde von dem Kölner Dombaumeister Bernhard Hertel (1862 - 1927) angefertigt. Im Grundstein der Kirche wurde eine Urkunde eingemauert, die folgenden Text enthält:

ElisabethTafel"Im Namen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Im Jahre des Heils 1911 am Sonntag Sexagesima, den 19. Februar, unter dem Pontifikat Pius X., als Wilhelm II. König von Preußen und Deutscher Kaiser war, Georg Kardinal Kopp Bischof von Breslau, Blankenstein Bürgermeister unserer Stadt Schöneberg, legte Carl Kleineidam, Fürstbischöflicher Delegat und Probst von St. Hedwig, den Grundstein dieser Kirche, die zu Ehren der hl. Elisabeth von Thüringen erbaut werden soll. (...) Die Zahl der Katholiken der St. Elisabeth-Kuratie beträgt mehr als siebentausend; sie gehören zur Matthias-Pfarrei. Seit drei Jahren und zwei Monaten ist schon auf diesem selben Grundstück in einer Notkapelle täglich das hl. Opfer dargebracht und regelmäßige Seelsorge ausgeübt worden.

Der Herr wolle den Bau mit seinem Segen behüten!"

Das Kirchengebäude wurde am 19. November 1911 fertiggestellt.