von Hermann Gottfried
Als ich den Kirchenraum von St. Matthias zum erstenmal betrat (1987), war ich überrascht von dem großen, ausschwingenden, lichten Raum, obwohl noch nicht alle Fenster aufgebrochen waren. Auffallend auch die relative Breite des Kirchenraumes, zumindest vom Empfinden her, wenn man den Raum seitlich betritt. Von daher standen für mich drei Anliegen im Vordergrund, immer auch im Hinblick auf eine Durchgestaltung aller Fenster, obwohl davon zum damaligen Zeitpunkt noch nicht die Rede war:
Als ich den Kirchenraum von St. Matthias zum erstenmal betrat (1987), war ich überrascht von dem großen, ausschwingenden, lichten Raum, obwohl noch nicht alle Fenster aufgebrochen waren. Auffallend auch die relative Breite des Kirchenraumes, zumindest vom Empfinden her, wenn man den Raum seitlich betritt. Von daher standen für mich drei Anliegen im Vordergrund, immer auch im Hinblick auf eine Durchgestaltung aller Fenster, obwohl davon zum damaligen Zeitpunkt noch nicht die Rede war:
- Betonung der Vertikalen;
- die Fenster im Chor- und noch mehr im Schiff - in ihrer Lichtigkeit zu bewahren (gläserner Schrein);
- den Fenstern im unteren Bereich eine Standfestigkeit mit den Mitteln jeweiliger figurlicher Darstellungen zu geben und dadurch eine über alle Fenster durchgehende Horizontale zu schaffen, die besonders bei den Chorfenstern in ihrer dichten Abfolge deutlich werden sollte.
Damit hatte
ich ziemlich spontan meine Grundvorstellung fur die Gestaltung meiner Entwürfe gewonnen -
Vorstellungen, die offensichtlich so fest in mir saßen, daß ich trotz der notwendigen
künstlerischen Freiheit im Prozeß der ersten Entwürfe immer wieder auf dieses Grundprinzip
zurückkam. Bei den bis jetzt genannten Überlegungen handelte es sich naturlich zunächst um
rein formale Probleme, und es folgten Gespräche bezüglich der Thematik mit Herrn Pfarrer
Kotzur und den Damen und Herren des Kirchenvorstands.
Thematische Vorgaben haben für den Kunstler vom Empfinden her zunächst immer etwas Einengendes. Hier ist das Muß und nicht die Freiheit, sich in eine Formen suchende Spannung fallen zu lassen. Sie sind aber auch gleichzeitig der Anreiz und die große Herausforderung, den geheimnisvollen Themen des Glaubens mit den Mitteln der Kunst zu begegnen. Und bei christologischen Themen, wie sie die Chorfenster aufweisen, fühlte ich mich spontan angesprochen.
Als es später auch zur Beauftragung der Seitenfenster kam, war für mich aufgrund der nunmehr eingebauten lichten Chorfenster ein viertes Anliegen wie selbstverständlich geboren: die Seitenchorfenster mußten die Emotion der Farben bekommen, ohne damit das Prinzip der absoluten Lichtigkeit zu durchbrechen - stehen diese Seitenchorfenster doch für sich und haben ihre eigene Sprache und sind doch eine bindende Zäsur. Bei den Seitenchorfenstern also ganz bewußt die geballte Kraft an Farbigkeit, ohne bunt zu werden.
Bei den Schiffenstern lag mir daran, den einzelnen Themen zeichnerische Leichtigkeit, malerische Lockerheit zu geben, indem ich Bleiruten nur insoweit anbrachte, als im Wechselspiel von technischer Notwendigkeit und malerischem Akzent angezeigt war. Alle figurlichen Darstellungen sind bewußt in weiß-bis-silbergrauen Tonwerten gehalten, also in den Farbwerten des gesamten Fond, um zu einer Entmaterialisierung der figurlichen Themen zu kommen, womit gleichzeitig die Möglichkeit bestand, dem Umfeld Farbe zu geben - Farbigkeit, die in den Rosetten der Chor- und Seitenchorfenster wie bei den Spitzbögen der Schiffenster wiederkehrt und das Umfeld der dort zu findenden Wesen wie Engel bildet.
Ich möchte an dieser Stelle keine Analyse meiner Arbeit geben - das soll und muß der Maler dem Betrachter, darüber hinaus dem Kunsthistoriker überlassen. Ich hoffe aber, daß die Gemeinde von St. Matthias nunmehr ihre Kirche, losgelöst vom Künstler und all den Prozessen, als den bergenden Ort empfindet, in dem wir einander im Glauben begegnen.
Kirchenführer St. Matthias
