Im Jahre 1868 wurde die Pfarrei St. Matthias gegründet.
Zwischen der St.-Hedwigs-Kirche (heutiger August-Bebel-Platz in Berlin-Mitte) und Potsdam gab
es keine katholische Kirche. Der aus dem Westfälischen stammende und im preußischen
Kultusministerium tätige Ministerialdirektor Matthias Aulike stiftete daher eine Summe von
20.00 Talern zur Errichtung einer Seelsorgestelle vor der Stadt Berlin. Schöneberg gehörte
damals wie viele heutige Bezirke noch nicht zu Berlin, sondern zum Kreis Teltow. Erst seit der
Eingemeindung im Jahre 1920 zählt auch Schöneberg zu Groß-Berlin.
Der Kirchenvorstand
von St. Hedwig erwarb in der Potsdamer Straße ein Grundstück und errichtete in den Jahren
1867 und 1868 eine kleine Kirche, die nach dem Namenspatron ihres Stifters St. Matthias
benannt wurde. Nach dem Wunsch von Matthias Aulike sollte die Pfarrstelle immer mit einem
Pfarrer aus dem Bistum Münster besetzt werden. Diese Tradition wird auch heute noch
beibehalten. Bei der Gründung 1868 zählte die Pfarrei etwa 800 Gemeindemitglieder. Durch das
ständige Wachstum der Gemeinde und den fortschreitenden Ausbau der Stadt Berlin erhöhte sich
die Anzahl der Gläubigen.

Insbesondere aus Schlesien und Westfalen kamen viele Katholiken.
Das
Kirchengebäude in der Potsdamer Straße wurde schnell zu klein. Daher faßte man bereits in
den 70er Jahren des 19.Jahrhunderts den Entschluß, die Kirche zu erweitern. Der Grundstein
für diesen Bau wurde im Oktober 1881 gelegt. Am 1. Juli 1882 fand die Einweihung statt.
Gleichzeitig mit dem Erweiterungsbau an der Kirche wurde ein Neubau des Pfarrhauses
errichtet.
Im Jahre 1887 war die Zahl der Gemeindemitglieder auf über 8.000 angewachsen.
Anfang der 90er Jahre zählte die Gemeinde dann bereits über 10.000 Mitglieder. Der Platz in
der erweiterten Kirche in der Potsdamer Straße reichte nicht mehr aus. Immer deutlicher
wurde, daß die Gemeinde eine neue, größere Kirche benötigte. Für den Neubau mußte aber
noch ein entsprechendes Grundstück gefunden werden.
Ursprünglich sollte der Neubau auf dem
Wittenbergplatz errichtet werden. Der
Wittenbergplatz liegt jedoch in Sichtweite des Breitscheidplatzes, auf dem damals gerade die
Kaiser-Willhelm-Gedächtniskirche gebaut wurde. Der Magistrat von Charlottenburg lehnte daher
den Kirchbau an dieser Stelle ab. Nach Verhandlungen mit der Gemeindevertretung von
Schöneberg erwarb die Kirchengemeinde 1892 das heutige Grundstück auf dem Winterfeldtplatz
mit einer Größe von 1.806m². Mit dem Kauf des Grundstücks war allerdings eine
Verpflichtung verbunden: Die Seitenstreifen zwischen dem Kirchengelände und den angrenzenden
Straßenzügen sollten gärtnerisch gestaltet und eingefriedet werden. Gleichzeitig erhielt
die Gemeinde das Recht, nach allen drei Straßen Ausgänge offenzuhalten und die Kirche
rundherum mit Fenstern zu versehen.
Der Neubau der St.-Matthias-Kirche
Die Errichtung des Neubaus fand in den Jahren 1893 bis 1895 statt.
Nach den Plänen des Baumeisters Engelbert Seibertz wurde eine dreischiffige Hallenkirche im
gotisierenden Stil errichtet. Der Grundstein wurde am 23. Oktober 1893 durch den
Fürstbischöflichen Deleganten Prälat Dr. Jahnel gelegt. Nach fast genau zweijähriger
Bauzeit konnte die Einweihung durch den Fürstbischof von Breslau, Kardinal Kopp, am 24.
Oktober 1895 erfolgen. Das Mauerwerk bestand aus rotem Rathenower Ziegelstein. Der Sockel, das
Dachgesims sowie die Fensterumrahmungen, Gewölberippen und die Kapitelle wurden aus Sandstein
gefertigt.
Während der reine Kirchenbau nur eine recht kurze Bauzeit erforderte, zogen
sich der Innenausbau und die Ausstattung über viele Jahre hin. So wurden die Glocken erst im
Jahre 1902 geweiht. Eine neue Orgel konnte erstmals 1914 gespielt werden. Bis zu diesem
Zeitpunkt war in der Kirche eine "gebrauchte Orgel" vorhanden gewesen.
Fritz Wingen nahm
1931 einige durchgreifende Veränderungen vor allem im Innenbereich vor. Die in die Höhe
strebenden, gotisierenden Elemente an den Altären, der Kanzel sowie am Chorgestühl und an
den Bänken wurden zurückgenommen und zum Teil verbreitert, so daß die vertikale Betonung
damals etwas in den Hintergrund gestellt wurde. 1931 wurde auch der erste Matthiasaltar im
östlichen Seitenchor errichtet. Allerdings ist sowohl von der Ursprünglichen wie auch von
der 1931 veränderten Inneneinrichtung fast nichts mehr erhalten.
Zur Planung des Neubaus
Der Kirchenvorstand entwickelte Ende 1892 ein Raumprogramm. Dieses diente als Grundlage
für die Planung des Neubaus. Zur Gewinnung eines Bauplanes wurde ein Architektenwettbewerb
ausgeschrieben, wobei die Entwurfsplanung weitgehend den Architekten überlassen wurde. Von
den fünf beteiligten Architekten gaben vier ihre Entwürfe ab. Den 1. Preis erhielt Engelbert
Seibertz. Nach geringfügigen Veränderungen seines Entwurfs wurde Seibertz 1893 beauftragt,
die erforderlichen Genehmigungen einzuholen. Seitens des Kirchenvorstandes wurden folgende
Vorgaben für den Bau gemacht: Der Neubau sollte einer Hallenkirche im gotischen Stil
entsprechen. Die Außenwände sollten im Backstein errichtet, die Fensterumrandungen und
Gewölberippen aus Naturstein gefertigt werden. Ebenso war ein nutzbarer Innenraum von etwa
1.000m² gefordert worden. Bei dem Baugenehmigungsverfahren kam es noch zu einer Besonderheit:
Da das Außenmauerwerk des Gebäudes mit der Grundstücksgrenze abschloß, mußte für die
Errichtung der Treppenstufen an den drei Ausgängen eine gesonderte Genehmigung eingeholt
werden, damit die Stufen über das Kirchengelände hinaus auf das Gelände der Gemeinde
Schöneberg ragen durften.
Der gesamte Bau erlitt starke Beschädigungen im Zweiten
Weltkrieg. Neben der Zerstörung der Kirchenfenster und des Maßwerks wurden auch das Dach
sowie das Mauerwerk insbesondere auf der Ostseite im Bereich des Matthiasaltares stark in
Mitleidenschaft gezogen. Der Turm fiel noch kurz vor Ende des Krieges den Flammen zum
Opfer.
Nach Ende des Krieges erfolgte der im Jahre 1952 abgeschlossene Wiederaufbau durch
den damaligen Baurat Felix Hinssen. Dabei wurde aus Kostengründen die ursprüngliche
Fensteranzahl von 26 auf 11 Kirchenfenster reduziert.
In den Jahren 1987 bis 1993 erfuhr die
Kirche eine grundlegende Erneuerung im Innen- und Außenbereich. Im Zuge dieser
Restaurierungsmaßnahmen erfolgte auch die Erweiterung der Fensteranzahl auf 22 mit einer
grundlegenden Neugestaltung in Farb- und Formgebung. Da im Krieg auch fast die gesamte
Innenausstattung der Kirche zerstört wurde bzw. verloren ging, präsentiert sich die
ursprüngliche Architektur der Kirche heute sehr deutlich.
Die innere Länge des
Kirchenraumes beträgt bis zur Turmhalle fast 50m. Die gesamte Breite über die Seitenschiffe
und das Mittelschiff mißt etwa 25m. Mit diesen Abmessungen und einer Höhe von über 20m im
Mittelschiff zählt die St.-Matthias-Kirche zu den größten Kirchenbauten Berlins. Mit ihrem
auch ohne Helm weithin sichtbaren Turm dominiert sie die Platzgestaltung des 1862 von dem
städtischen Baurat James Hobrecht konzipierten Winterfeldtplatzes, der heute auch Standort
des größten Berliner Wochenmarktes ist.
Raumgefüge und Funktionsbereiche
Im Grundriß zeigt der Bau einen nach
Norden ausgerichteten Hauptchor, der von zwei Seitenchören flankiert wird. Das Kirchenschiff
gliedert sich in ein Haupt- und zwei Seitenschiffe. Im Süden schließt die Kirche in der
Breite des Kirchenschiffs ab, hier erhebt sich der heute 60m hohe Turm. Unter dem Turm
befindet sich das schlicht gestaltete Hauptportal. Das Innere des Kirchenbaus präsentiert
sich als lichte Hallenkirche. Die verwendeten Stilmittel sind klar und schlicht gestaltet, so
daß ein übergreifendes Raumgefüge entsteht. Der Raum des Hauptschiffs weist eine Einteilung
in vier Joche auf. Die Seitenschiffe erreichen in ihrer Breite das halbe Maß des Hauptschiffs.
Diese Aufteilung spiegelt sich in der Anordnung der Joche wider, wobei die längs
ausgerichteten Joche der Seitenschiffe ihr Gegenstück jeweils im querliegenden Joch des
Mittelschiffs finden. Das vierte Joch im Hauptschiff leitet in den Chorraum über.
Die
Höhe der Seitenschiffe weist fast das gleiche Maß wie das des Mittelschiffs auf. Die
schlichten Rundpfeiler gliedern den hallenartigen Raum in der Vertikalen. An den Pfeilern
ziehen sich schlanke Dienste in die Höhe, die von zurückgenommenen Blattkapitellen gekrönt
sind. Sie leiten über in die Gurt- und Scheidbögen oder nehmen die gleichartig profilierten
Gewölberippen auf. Durch die gleichmäßige und zurückhaltende Verwendung der Stilmittel,
die lanzettförmigen Kirchenfenster und die gleichmäßige Durchlichtung des Kirchenschiffes
durch die Höhe der Seitenschiffe wird neben der Hallenwirkung auch eine Betonung der
Vertikalen erreicht, die aber nicht von der zentralen Bedeutung des Hauptchors ablenkt.
Der nach Norden ausgerichtete Chor weist einen 7/12-Schluß auf. Diesen Raum begleiten die
zwei Nebenchöre mit 4/8-Schluß, die aus den Seitenschiffen hervorgehen. Der Nebenchor auf
der Westseite ist der Gottesmutter geweiht, der gegenüberliegende Seitenchor auf der Ostseite
dem Namenspatron der Kirche Matthias. Interessant an der Gestaltung der Seitenchöre ist die
leichte Schrägstellung. Sie sind nicht wie der Hauptchor exakt nach Norden ausgerichtet,
sondern erhielten eine leichte Neigung nach Osten bzw. Westen und öffnen sich so dem ganzen
Kirchenraum.
Diesen drei Räumen auf der Nordseite des Kirchenbaus
steht eine ähnlich gegliederte Raumanordnung auf der Südseite gegenüber. Der Bereich unter
dem Turm bildet den zentral angelegten Eingangsraum, die Taufkapelle auf der West- und die
Totengedächtnis-Kapelle auf der Ostseite begleiten diesen Eingangsbereich. Auf diese Weise
korrespondieren die Nebenchöre im Norden mit den Kapellen im Süden und der Hauptchor mit dem
zentralen Eingangsbereich, der durch das Hauptportal betreten wird.
Die Gliederung der
Fassaden nimmt die Betonung der Vertikalen im Inneren auf. Hauptsächliche Gliederungselemente
sind hier der hoch aufragende Turm und die Fenster, die die Fassaden im Osten und Westen
gleichmäßig aufteilen. Der äußere Eingangsbereich wird von zwei Figuren aus Sandstein
flankiert: der hl. Ludgerus und der hl. Johannes der Täufer. In der Mitte des Portals ist
Matthias dargestellt, der als Attribut ein Beil in der linken Hand hält. Die beiden
erstgenannten Figuren stammen aus den 30er Jahren dieses Jahrhunderts und wurden ebenfalls in
den letzten Jahren restauriert und teilweise ergänzt. Die Figur des Matthias wurde 1993
geschaffen, da die ursprüngliche Skulptur zerstört wurde. über der zweiflügeligen
Eingangstür erhebt sich ein Kirchenfenster. Dieses weist im oberen Bereich eine Rosette auf
und enthält eine Darstellung des brennenden Dornbusches. Bekrönt wird diese Portalzone von
einem spitzauslaufenden Giebel, der über die Höhe der Seitenschiffe hinausragt und gleichsam
im Turmbau fortgeführt wird. Der Turm endet über dem Glockengeschoß in vier kleinen sich
durchdringenden Giebeln. Die hauptsächliche Betonung der Vertikalen wird ebenfalls von den
schlanken Strebepfeilern aufgenommen, die sich in gleichmäßiger Ausformung über die
gesamte, heute unverputzte Fassade ziehen. Die Strebepfeiler enden schmucklos in der Höhe des
Kirchendaches, das seit dem Wiederaufbau als flaches Satteldach gestaltet ist und lediglich in
den drei Chorbereichen im Norden die Gestaltung des 4/8- bzw. 7/12-Schlusses aufnimmt.
Die Kirchenfenster
Die Restaurierung der Kirche umfaßte in den Jahren 1987 bis
1993 auch eine grundlegende Neugestaltung der Fenster. Der Wiederaufbau nach 1945 hatte sich
aus Kostengründen auf die notwendigsten Wiederherstellungsarbeiten beschränken müssen. So
wurden nur 11 der ursprünglich 26 Fenster offen gelassen und in einfacher Form verglast. Der
in letzter Zeit abgeschlossene Renovierungszyklus umfaßte nicht nur die Erhöhung der
Fensterzahl auf jetzt 22, sondern auch eine grundlegende Um- und Neugestaltung der
Bildinhalte. Für die Gemeinde stand dabei im Vordergrund die Frage: "Wer malt noch
gegenständlich - denn das Christentum ist konkret - und doch mit der Handschrift unserer
Zeit?" Es ging also nicht um die Wiederherstellung der alten Fenster mit gleichem Farb- und
Motivinhalt, sondern um eine Erneuerung und Veränderung im inhaltlichen Sinne. Den Auftrag
für die Gestaltung der Fenster erhielt der Künstler Hermann Gottfried aus Bergisch-Gladbach
bei Köln. In den Jahren 1988 bis 1993 entwarf Gottfried die neuen Fenster. Neben der
Äänderung der ursprünglichen Thematik unterscheidet sich die bildnerische Ausführung der
heutigen Figuren und Symbole deutlich von der Gestaltung der zerstörten Fenster. Die Apsis
zeigt als zentrale Figur den auferstandenen/ verklärten Christus. Im östlichen Seitenchor,
der dem Kirchen- und Pfarrpatron Matthias gewidmet ist, wird zum einen der Apostel Matthias in
den Vordergrund gestellt, zum anderen wird auf die jüngere und jüngste Geschichte des 20.
Jahrhunderts mit besonderem Bezug auf die Geschichte Berlins hingewiesen. Der Seitenchor auf
der gegenüberliegenden Seite ist der Mutter Gottes geweiht und vermittelt bedeutende Szenen
aus dem Leben Marias. Im Kirchenschiff werden Bilder des Alten Testaments dargestellt. Den
letzten Bereich bilden die Fenster der Tauf- und Totengedächtnis-Kapelle sowie das Fenster
über dem Hauptportal mit verschiedenen Einzeldarstellungen. In diesen Zusammenhang gehören
auch vier kleine Fenster, die sich in den Windfängen befinden. Sie stellen die Symbole der
vier Evangelisten dar. Der Eingang von der Goltzstraße enthält den Engel als Sinnbild für
den Evangelisten Matthäus und den Löwen des Markus. Der Windfang auf der östlichen Seite
(Gleditschstraße) zeigt den Stier als das Symbol des Lukas und den Adler des Johannes. Die
Bildthemen der Fenster begleiten den Gläubigen vom Betreten des Gotteshauses an den Portalen
über die Bilder des Alten Testaments im Kirchenschiff bis zur Apsis. Das zentrale Thema der
Apsis ist der Auferstandene. Das mittlere Bild der Apsis zeigt den verklärten Christus, der
die Botschaft verdeutlicht: "Es ist gut, daß wir hier sind. "
Gottfried nennt sein Werk
einen gläsernen Schrein. Zum einen verdeutlicht diese Bezeichnung ein einheitliches Programm
der in Thema und Ausführung unterschiedlichen Fenster in der Kirche. Dennoch sind innerhalb
des Kirchenraumes fünf Themenschwerpunkte vorhanden, die inhaltlich und in der malerischen
Ausführung zusammengefaßt werden können. Sie orientieren sich an der Grundrißgestaltung
und den damit verbundenen Funktionen der einzelnen Bereiche. So weisen die beiden Nebenchöre
Bildinhalte auf, die sich auf die dort vorhandenen Altäre beziehen, während im Hauptchor das
zentrale Motiv der Auferstehung verdeutlicht wurde. Das Kirchenschiff wiederum stellt andere
Zusammenhänge dar als der Eingangsbereich mit Tauf- und Totengedächtnis.
Die Fenster
über dem Marienaltar schaffen mit ihrer intensiven Farbgebung ein eigenes Raumgefühl. Die
Darstellung der Maria kehrt an keinem anderen Fenster wieder. Bildinhalt und Bildgestaltung
definieren einen eigenen Raum. Diesen Fenstern stehen die Matthiasfenster gegenüber. Hinweise
auf die Geschichte der St.-Matthias-Gemeinde, die Wahl des Apostels Matthias und Bildzeugnisse
der jüngeren und jüngsten Vergangenheit sind das Hauptthema dieses Raumes. Mit dem
gläsernen Schrein gelang es Hermann Gottfried, die Funktionen der einzelnen Bereiche im
Kirchenraum zu einem Ganzen zusammenzufügen und gleichzeitig die Betonung auf bestimmte
Räume zu legen. Die einheitliche künstlerische Gestaltung mit starken Linien und Kontrasten,
einer in jedem Bild offtensichtlichen Dynamik weicht in den einzelnen Räumen nur ein wenig
voneinander ab. So wird das Gesamtprogramm deutlich, ohne daß die Akzentuierung der einzelnen
Bereiche verloren geht. Es entsteht eine Verbindung von Glauben, Kunst und Geschichte, die in
den thematisierten Bildern und in der Ausführung der künstlerischen Gestaltung
wiederkehrt.
Betrachtung der Kirchenfenster
Das Reliquiar des Seligen Clemens August Kardinal von Galen
Kurz nach der Seligsprechung am 9. Oktober
2005 bekam unsere Gemeinde eine Reliquie des Seligen Clemens August Kardinal von Galen. Für
diese wurde ein würdiges Reliquiar gefertigt, das am 11. Februar 2007 durch den Münsteraner
Domkapitular Martin Hülskamp, den Vizepostulator beim Seligsprechungsprozess, seine Weihe
erhielt.
Die Bronzeplastik steht auf einem Sockel, auf dem die (für uns) wichtigen
Lebensdaten von Clemens August, dem "Löwen von Münster", eingemeißelt sind, dazu die
(freie) Übersetzung seines Wahlspruchs:
"Weder durch Lob noch durch Drohung weiche ich von
Gottes Wegen ab".
Der Berliner Bildhauer Karl Biedermann schuf eine Plastik, bei der ein
Löwe mit einem Wappenschild Pate gestanden hat, wie man ihn vor Schlössern sehen kann. Das
Löwengesicht, das auf den "Löwen von Münster" hinweist, ist leicht angedeutet. Im
Wappenspruch mit dem lateinischen Wahlspruch "Nec laudibus, nec timore" ist wie ein Juwel die
Reliquie des Seligen Clemens August eingefügt.
Innenraumgestaltung
Fast die gesamte Innenausstattung ging im Zweiten Weltkrieg
verloren oder wurde zerstört. Lediglich der ursprüngliche Wetterhahn von der Turmspitze und
zehn Kreuzwegstationen von ehemals 14 blieben erhalten. Der Hahn hängt heute im restaurierten
Zustand an der Wand des östlichen Seitenschiffs. Die Kreuzwegstationen sind auf Kupferplatten
gemalte Originalwerke des Münchener Künstlers Philipp Schuhmacher. Sie stammen aus den
Jahren 1907 bis 1915. Sie wurden von dem Berliner Künstler Bernitzki wiederhergestellt, die
vier fehlenden Stationen wurden auf Zinkplatten nachgemalt. Sie sind heute an den
Seitenschiffswänden angebracht.
Besonderheiten in der heutigen, modernen Innenausstattung sind unter anderem die
neuen Apostelleuchter und das sogenannte Galenportal. Die zwölf Apostelleuchter befinden sich
an den Säulen der Kirchenwände. In ihrem Gesamteindruck erinnern sie an abstrahierten
gotischen Blattschmuck, dabei laufen die seitlichen Befestigungen in Form von Wurzeln aus, die
die Säulen gleichsam umschlingen. Die von Prof. Gailis (Berlin) geschaffenen Leuchter wurden
von ihm aus Bronze gegossen. Unterhalb des Kerzentellers befinden sich an der Vorderseite
handgeschmiedete und polierte Flächen, deren Form das Kreuz aufnimmt.
Das Galenportal
bildet den Abschluß des Kirchenraumes nach Süden und trennt den Eingangsbereich in der
Turmhalle ab. Der künstlerische Entwurf und die Durchführung stammen ebenfalls von Gailis.
Seinen Namen erhielt das Portal in Erinnerung an den Kardinal Clemens August Graf von Galen (*
Dinklage 1878, + Münster 1946), der 1919 bis 1929 Pfarrer in St. Matthias war. Die
Verschlüsse in der Mitte des Portals bilden Bronzemedaillons, von denen das eine das Wappen
des Kardinals trägt, während das andere als Sinnbild für den "Löwen von Münster" einen
Löwenkopf zeigt.
Im Hauptchor stammen die Entwürfe und die künstlerische Umsetzung
für die Tabernakelsäule, den Predigtambo und die Sedilien von Egino Weinert (Köln). Das
ursprüngliche Kreuz aus dem Hauptchor, ebenfalls gestaltet von Egino Weinert, konnte nach dem
Ööffnen der Apsisfenster nicht mehr an dieser Stelle verbleiben. Das Holzkreuz ist auf der
Vorderseite mit Emaillebildern belegt, die Szenen aus dem Leben Jesu darstellen. Es erhielt
einen neuen Platz in der Totengedächtnis-Kapelle.
An seiner Stelle hängt im Chor das "Mauer-Kreuz" des Kevelaer Goldschmiedes
Polders. Die Geschichte des Kreuzes beginnt 1985. Polders kam in jenem Jahr nach Berlin und
besuchte auch den Ostteil der Stadt. Auf dem Rückweg mußte er sich stundenlangen Verhören
unterziehen. Unter dem Eindruck dieser Erlebnisse kam ihm die Idee zu einem Kreuz. Sein
Leitgedanke war: "Die Mauer muß weg". Mit der Gestaltung des Kreuzes nahm er diesen Gedanken
auf. Er fertigte ein Kreuz mit zerbrochenen Mauern an den vier Enden. Den Corpus bildet der
vergoldete Bronzeabguß eines vom Vater des Künstlers aus Silber getriebenen Christus. 1986
kam das Kreuz nach Berlin. Eine Kirche in Berlin (Ost) kam aus politischen Gründen nicht
infrage. So hing es bis 1989 in der Totengedächtnis-Kapelle. In diesem Jahr wurden die
Apsisfenster eingesetzt und das große Hängekreuz von Egino Weinert mußte weichen. Am 19.
August 1989 kam das "Mauer-Kreuz" in den Altarraum. Es war der Tag, an dem die Mauer an der
österreichisch-ungarischen Grenze aufzubrechen begann. Weitere erwähnenswerte Stücke sind
eine Strahlenkranzmadonna aus dem Ende des 17. Jh., die aus dem Vorarlberger Raum stammt. Für
diese Figur schuf Gailis den Sockel und den Strahlenkranz. Dieser Figur im Marienchor steht der
Schrein mit den Matthiasreliquien im östlichen Seitenchor gegenüber. Oberhalb des Schreins
befindet sich ein Relief mit dem Auferstandenen in einem Strahlenkranz, einer weiteren Arbeit
von Prof. Gailis.
In den Kapellen auf der Südseite ist eine schlichte, fast auf das
Notwendigste beschränkte Ausstattung vorhanden. Vor dem Kreuz von Weinert in der
Totengedächtnis-Kapelle steht ein massiver, schlichter Granitblock mit den Namen der
Verstorbenen des jeweiligen Tages. Der Taufstein in der Taufkapelle wurde nach einem Entwurf
des damaligen Baurates Hinssen (Berlin) gefertigt. Er wird von einer Säule getragen, die auf
einem runden Mosaikgrund in der Ausdehnung des Taufbecken steht. Dieses Mosaik weist eine
leichte Vertiefung auf, und die hauptsächliche Verwendung der blauen Glasur läßt den
Eindruck entstehen, daß die Säule des Taufbeckens im Wasser steht. Künstlerisch stilisierte
Fischmotive aus bräunlichen und goldfarbenen Mosaiksteinen unterstreichen diese Wirkung.
Die Orgel
Die Orgel von St. Matthias findet ihren Platz auf der Empore am
Südende des Kirchenschiffs. Mit ihren 75 Registern zählt sie zu den größten Kirchenorgeln
Berlins. Die Firma Romanus Seifert & Sohn (Kevelaer) erbaute sie 1958, im Jahr 1974 wurde
sie dann nochmals erweitert. Die Generalüberholung fand 1992/1993 durch die Firma Stockmann
(Werl) statt.
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