Die alte Fidelisorgel

Vorgeschichte der Fidelis-Orgel von 1958

Im Dezember 1946 wurde eine damals bereits gebrauchte* pneumatische Orgel, von der Gemeinde St. Matthias für den gottesdienstlichen Gebrauch in der Aula der Sophie-Scholl-Schule (Pallasstr. 27) angeschafft und von der Orgelbaufirma W. Sauer / Frankfurt/Oder mit 8 Registern auf 2 Manualen und Pedal dort aufgestellt. Zum Preis von 8900,- RM (30.9.46)

(*Beim Abbau der alten Orgel (2002) kam beim Öffnen der Windlade des 2. Manuals eine Bleistiftbeschriftung "Treptow" zu Tage. Also hat wenigstens ein Teil der Orgel vorher in Treptow gestanden. Ob das bereits die Orgel von 1946 war oder eine später angebaute Lade war, lässt sich nicht eindeutig zurückverfolgen.)

Die ursprüngliche Disposition (Sauer 1946):

I. Manual: Prinzipal 8´
Rohrflöte 4´
Gemshorn 2´
Mixtur 2-3 fach
II. Manual: Singend Gedackt 8´
Octave 4´
Waldflöte 2´
Pedal: Subbaß 16´

fidelisorgel 1946Umfänge: Manual C - g´´´ Pedal C - f´

Der Spieltisch war an der rechten Seite angebaut. (s. Zeichnung Sauer)

Koppeln: II-I, I-Ped, II-Ped, Tutti

(Abnahmetermin 14., Einweihung 15. Dezember 1946. Vorgesehen war eine spätere Aufstellung als Chororgel in der St. Matthiaskirche (Festschrift 1946)

Dieses Instrument diente als Begleitinstrument für die "ausgelagerten" Gottesdienste der Gemeinde St. Matthias. Die St. Matthias-Kirche selbst konnte (nach der Kriegszerstörung am 30. 1. 1944 und dem Turmbrand vom 28. 4. 1945) erst 1952 wiederhergestellt werden. Daraufhin wurde diese dafür viel zu kleine Aula-Orgel in der St. Matthias-Kirche aufgestellt, im Laufe der Jahre um einige Stimmen bis auf 17 Register erweitert und war bis 1958 dort in Gebrauch. Der genaue Aufstellungsort geht aus den Akten nicht hervor.

Schon zu der Zeit gab es viele Klagen über ungenügende Motorleistung, durchgebrannte Motoren, Windgeräusche und Stimmprobleme. Aus den Unterlagen geht hervor, dass neben Fa. Sauer die Firmen A. Feith (Paderborn), Herbert Hammer (Berlin) und Walcker (Ludwigsburg) Reparaturen und Erweiterungen ausgeführt haben.

Der Orgelbauer Fleiter aus Münster setzte diese (geschenkte) Orgel dann 1958 in die St. Fideliskirche um. Die Kosten von ca 6.000 DM trug der Gesamtverband. Aus Fleiters Stellungnahme (15. April 1958): "Diese pneumatische Traktur arbeitet sehr unzuverlässig, weil das Orgelwerk aus vielen alten Teilen zusammengebaut wurde."

Das 1. Manual hatte 3 verschiedene Windladen (3 m Länge), die durch Vorsteue-rungs- und Hauptsteuerungsrelais miteinander verbunden waren. (Sauer-Taschen-Ausstrom-Laden). Die beiden Laden des 2. Manuals waren 3,55 m lang. Der Spieltisch war in die Front eingebaut - Ausmaße der Orgel: 5,50 m x 3,00 m. Ein Orgelgehäuse war nicht vorhanden; ds Pfeifenwerk war teilweise nur mit Presspappe eingekleidet.

"Der jetzt vorhandene Prospekt ist vollständig unbedeutend und für die St. Fidelis-Kirche nicht zu gebrauchen."

Die vorhandene Gebläsemaschine war "gut", musste 1985 jedoch ersetzt werden.

Disposition 1958 in St. Matthias (nach Fleiter)

 

I. Manual II. Manual
Hauptprinzipal 8´ Rohrgedackt 8´
Singend Gedackt 8´ Salicional 8´
Oktave 4´ Prinzipal 4´
Rohrflöte 4´ Pommer 4´
Quinte 2 2/3´ Waldflöte 2´
Gemshorn 2´ Kleinquint 1 1/3´
Mixtur 1 1/3´ 3-4 fach Krummhorn 8´
Pedal
Subbass 16´ (Pneumatische Traktur)
Oktavbass 8´
Stillposaune 16´ (eine freie Kanzelle)

Die Umsetzung nach St. Fidelis 1958

In seinem Gutachten vom 22.2.1958 empfahl Prof. Joseph Ahrens die Umsetzung der St. Matthias-Orgel nach St. Fidelis. Er bezog sich dabei offensichtlich auf einen nicht dokumentierten Kostenanschlag evtl. älteren Datums.
Für eine angeblich freie Kanzelle des II. Manuals schlug er vor:

entweder Cymbel 112´ , Oberton 2/7´+ 2/9´ oder Quintade 16´.

Für das Pedal (vorgesehen war wohl "Choralbaß 4´" für die tatsächlich freie Kanzelle auf der Pedallade) empfahl er eher ein weites 2´- Register.
In seinem zweiten Gutachten (26.4.58) zum Kostenanschlag Fa. Fleiter (Münster) 15.4.1958 war "Krummhorn 8´" inzwischen als existent vorausgesetzt. Da der Orgel eine ansehnliche Schaufront (Prospekt) fehlte, wurde nun eine andere Lö-sung mit 3 neuen Pedalregistern gewählt. (Vorschlag Fleiter)
Das Instrument wurde an der Wand aufgehängt, um darunter Platz für Chor bzw. Solisten zu schaffen. Nur das Pedal wurde auf der linken Seite (vom Altar aus gesehen) ebenerdig hinter einem Holzgatter aufgestellt, später mit einem Dach versehen. Die Windladen des II. Manuals mussten geteilt aufgestellt werden. Für die tiefsten 17 Töne wurde die Basslade in der Treppenturmnische aufgehängt. Die Diskantlade, die neben den drei Hauptwerksladen und den neuen Pedalprospektladen im Hauptcorpus aufgestellt war, erwies sich beim Abbau erstaunlicherweise als Kegellade. Wann diese eingebaut wurde, ließ sich bisher nicht feststellen.

Für das Pedal (vorgesehen war wohl "Choralbaß 4´" für die tatsächlich freie Kanzelle auf der Pedallade) empfahl er eher ein weites 2´- Register.
In seinem zweiten Gutachten (26.4.58) zum Kostenanschlag Fa. Fleiter (Münster) 15.4.1958 war "Krummhorn 8´" inzwischen als existent vorausgesetzt. Da der Orgel eine ansehnliche Schaufront (Prospekt) fehlte, wurde nun eine andere Lö-sung mit 3 neuen Pedalregistern gewählt. (Vorschlag Fleiter)

Fleiter baute einen neuen elektrischen, fahrbaren Spieltisch. Neu waren nur 3 Pedalregister, die ersten beiden kamen in den neuen Freipfeifen-Prospekt: "Gedacktbaß 8´" und "Choralbaß 4´" (aus Kupfer) auf 2 neue Einzel-Kegelladen. "Bauernpfeife 2´" kam auf einen den freien Stock der vorhandenen Pedallade.
J. Ahrens sprach sich strikt gegen die Anbringung einer Register-Crescendo-Walze als "Überbleibsel der Fehlentwicklung im Orgelbau des 19. Jahrhunderts" aus.

An dieser Orgel wurden in den 80er und 90er Jahren immer wieder mehr oder weniger große Reparaturen oder "Basteleien" durch Berliner Fa. Stephan ausgeführt. Es gelang jedoch nie, sie damit zuverlässiger zu machen.
Der Orgelsachverständige Martin Ludwig schrieb am 6.10.1992:

"...Auch eine umfassendere Überholung dieses Instrumentes führt nach meiner Auffassung zu keinem guten Ergebnis...."

Dieser Ansicht waren auch mehrere Kollegen, die hin und wieder an dieser Orgel Gottesdienste zu spielen hatten.

Man kann bedauern, dass so viele ehemalige Schulorgeln, von denen es in Berlin einmal eine große Anzahl gegeben hat, diesen Weg gegangen sind. Sie mussten die im II. Weltkrieg zerstörten Kirchenorgeln ersetzen, wurden oftmals mit unpassenden Materialien erweitert und gingen meistens an dieser Überforderung zugrunde.

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Die neue Fidelis-Orgel

Die Friedhofskirche St. Fidelis 

Die Orgel in St. Matthias 



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