Epiphanie - Gregorianischer Gesang und Orgelmusik

Epiphanie - Gregorianischer Gesang und Orgelmusik aus Deutschland und Frankreich
zum Fest der Erscheinung des Herrn am 6. Januar 2020 um 20.00 Uhr in der St. Matthias-Kirche am Winterfeldtplatz Berlin.


Choralschola St. Matthias
Leitung: Ulrich Gembaczka
Orgel: Rembert Pliester

 

Werke

Maurice Duruflé (1902 — 1986)
„Prélude sur l'Introit de l'Épiphanie"

Gregorianisch (älteste überlieferte Handschrift: 11. Jahrhundert)
Introitus zur Messe am Fest der Erscheinung des Herrn

 

Ecce advenit dominator Dominus. Et regnum in
manu eius et potestas et imperium.
Deus, iudicium tuum regi da et iustitiam tuam
filio regis.

Seht, es kommt der Herrscher, der Herr. Und in
seiner Hand ist das Königtum, und die Macht und
die Herrschaft. (Mal 3,1)
Gott, verleihe dein Richteramt dem König, und
dem Königssohn gib dein gerechtes Walten. (Ps 71,1)

 

Johann Sebastian Bach (1685-1750)

„In dulci jubilo" (Choralvorspiel BWV 608)

 

Jean Langlais (1907-1991)

„Dans une douce Joie" (Nr. 5 aus „Neuf Piäces" op. 40)

Gregorianisch (10. Jahrhundert)
Introitus zur Messe am Weihnachtstag

 

Puer natus est nobis et filius datus est nobis.
Cuius imperium super humerum eius et
vocabitur nomen eius magni consilii angelus.
Cantate Domino canticum novum quia mirabilia
fecit.

Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns
geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter
und man nennt ihn Künder des großen
Ratschlusses. (Jes 9,5)

Singt dem Herrn ein neues Lied; denn er hat
wunderbare Taten vollbracht. (Ps 98,1)

 

Olivier Messiaen (1908-1992)

„Puer natus est nobis" (Nr. 5 aus „Livre du saint sacrement")

 

Johann Sebastian Bach

„Vom Himmel hoch, da komm ich her"

canones ä 2 claviers et p6dale BWV 769a

 

Canone all'ottava
Canone alla quinta
Canto fermo in canone
 - alla sesta e al rovescio
 - alla terza
 - alla seconda
 - alla nona

 

Sigfrid Karg-Elert (1877-1933)
„Vom Himmel hoch"
Choral-Improvisation op. 65 Nr. 10

 

Johann Sebastian Bach
„Wie schön leuchtet der Morgenstern"
Choralvorspiel BWV 739

 

Max Reger (1873-1916)
„Wie schön leuchtet der Morgenstern"
Choralvorspiel op. 67 Nr. 51

Gregorianisch (9. Jahrhundert)

Halleluja zum Fest der Erscheinung des Herrn

Alleluia. Vidimus stellam eius in oriente et
venimus cum muneribus adorare Dominum.

Wir haben im Osten seinen Stern gesehen und
sind gekommen, um dem Herrn mit Geschenken
zu huldigen. (Mt 2,2)

 

Gaston Litaize (1909-1991)
Epiphanie

 

 

zum Programm:

Am 6. Januar feiert die Kirche mit dem Hochfest »Erscheinung des Herrn« (auch »Epiphanie«, »Dreikönigsfest« oder »Dreikönigstag«) das Sichtbarwerden der Göttlichkeit Jesu, sinnfällig besonders in der Anbetung durch die Magier, die „Heiligen Drei Könige".

Mit dem Weihnachtsfest, in dessen Mittelpunkt das Geschehen um die Geburt Jesu steht, ist Epiphanie eng verbunden. Die Musik des heutigen Abends spannt daher den Bogen von Weihnachten bis zur Anbetung des Herrn in der Krippe durch die drei Weisen.

Die der Musik jeweils zugrundeliegenden Texte stammen aus zwei Schichten der Tradition.
Im ausschließlich lateinisch gesungenen gregorianischen Choral wurden überwiegend Bruchstücke aus der heiligen Schrift so zusammengeführt, dass sie das jeweilige Festgeheimnis beleuchten. Dabei ließ man sich von der Intention leiten, dass Aussagen durch die Herauslösung aus dem biblischen Kontext eine neue —auf Christus bezogene— Bedeutung bekamen.

Das im deutschen, katholischen Bereich schon zuvor gebräuchliche, muttersprachliche Gemeindelied hat durch die Kirchen der Reformation einen rasanten Aufschwung erlebt. Das Programm enthält daher Orgelwerke über drei Lieder, die wegen der Schönheit ihrer Dichtung und der Volkstümlichkeit der Melodien über Jahrhunderte im Gottesdienst beider großen Konfessionen beheimatet waren:

„In dulci jubilo" ist eine makkaronische — lateinische und deutsche Verse mischende — Dichtung, die dem seligen Heinrich Seuse (ca. 1296 bis 1366) zugeschrieben wird. Die Melodie ist im 14. Jahrhundert erstmals in einem Liederbuch nachgewiesen.

„Vom Himmel hoch" ist das bekannteste Lied Martin Luthers (1483 bis 1546), das er für seine Kinder gedichtet und komponiert hat.

„Wie schön leuchtet der Morgenstern" stammt von dem lutherischen Pastor Philipp Nicolai (1556 bis 1608). Eigentlich handelt es sich um ein mystisches Brautlied; heute assoziieren wir den Text eher mit dem Stern von Bethlehem, der die Magier zur Krippe führt.


In den Orgelkompositionen werden die melodischen Themen auf vielfältige Weise verarbeitet: Als Kanon, als durchgehende Melodie („cantus firmus"), die im Verlauf auch die Lage wechseln kann, als Rohmaterial für eine freie Improvisation und als meditativer Anstoß für Neues, wie etwa den Gesang eines im heiligen Land heimischen Vogels, des Olivenspötters, der bei Messiaen angesichts der Geburt des Herrn jubiliert.